Der Goldkern der Anden – von einer unbekannten Pflanze zu einem Milliardenhandel!

“Früher wollte niemand ‘indisches Essen’ kaufen, Quinoa, das war zu fremdländisch. Heutzutage verkaufen wir es in mehreren Ländern und bemühen uns die Produktion zu erhöhen, ohne jedoch Monokulturen zu schaffen”, erklärt German Nina, Gründungsmitglied der bolivianischen Quinoa-Kooperative namens Anapqui.

1. Die Kultur des Quinoa: wirtschaftliche und ökologische Herausforderungen

Seit Jahrtausenden von Anden-Bauern kultiviert, genannt “Mutter des Samens" oder “Goldkern der Anden”, hat Quinoa in den letzten Jahren einen beispiellosen Erfolg erlebt, der den Markt völlig verändert hat. Insbesondere durch die Entscheidung der Generalversammlung der Vereinten Nationen, das Jahr 2013 als “Internationales Jahr des Quinoa” zu proklamieren, wollte man auf die alten Bräuche der Andenvölker, als auch auf dieses Pseudo-Getreide, das bis dato fast unbekannt war, aufmerksam machen.

⇒ Diese Medienpräsenz führte zu einer plötzlichen Explosion an Nachfrage nach Quinoa und im Gegenzug dazu zu einem Preisanstieg. In weniger als einem Jahrzehnt hat sich der Anbau von Quinoa auf dem Andenaltiplano von einer Subsistenzkultur zu einer Profitkultur umgewandelt. Viele Produzenten in Peru und Bolivien, als auch die Agrarindustrie, sind sich der Begeisterung der ausländischen Verbraucher dieses “Reis der Inkas” bewusst. Deshalb hat die interessierte Lebensmittelindustrie die Produktion ausgebaut oder intensiviert. Dieser Anstieg an Produzenten und Unternehmen hat zu einem wettbewerbsfähigem und unsicheren Handelsklima geführt, weil es darum ging, Marktabteile zu sichern. Hinzu kommt, dass die Produktionskosten stiegen, da die Produzenten, um die Produktion zu beschleunigen, in Düngemittel und Maschinen investieren mussten.

⇒ Leider hat im Jahr 2016die Quinoa-Branche an einer Überproduktion gelitten, was zu einem schwindelerregendem Preisfall im Handel führte. Deswegen mussten einige Kleinerzeuger die Konsequenzen davon tragen und haben Einkommenseinbußen erlitten. Außerdem hat es einige Familien in eine extreme Notlage getrieben, da sie ihre Schulden nicht zurückzahlen konnten. Darüber hinaus hatten die Familien die Viehzucht vernachlässigt oder aufgegeben zugunsten des Anbaus von Quinoa, sodass sie keine andere Einkommensquelle mehr hatten, um den finanziellen Niederschlag zu kompensieren.

⇒ Die Quinoa-Problematik limitiert sich für die Produzenten nicht ausschließlich auf den wirtschaftlichen Teil. Die gestiegene Nachfrage hat die traditionellen Formen des Quinoa-Anbaus grundlegend verändert. Die Intensivierung der Produktion, wie beispielsweise in Peru, und der Ausbau des Flachlandes haben erwähnenswerte Auswirkungen auf die Umwelt. Der Ausbau des Flachlandes, das weniger fruchtbar und anfälliger für Wind und Frost ist als Hänge, führt zu einem Rückgang an Produktivität, erhöht Umweltrisiken wie Erosion und vermindert Bodenfruchtbarkeit.

⇒ Darüber hinaus haben die Akteure der Lebensmittelindustrie eine neue Sorte von Quinoa ohne Saponin entwickelt, die eine kleine Hülle um den Quinoa-Samen darstellt. "Es schmeckt zu bitter und es ist zu viel Arbeit den Samen zu säubern", sagten die Industriearbeiter! Man muss jedoch im Hinterkopf behalten, dass Saponin eine sehr wichtige Wirkung auf das Pflanzenwachstum hat. Es schützt die Pflanze wirksam vor Parasiten und anderen Schadstoffen. Seit der Entstehung dieser Sorte, die kein natürliches Saponin mehr entwickelt, zerstören Schadstoffe die Pflanze, was die Produzenten dazu zwingt, gefährliche Pestizide bei der Ernte einzusetzen.

⇒ Ohne Zweifel haben die Produzenten eine große Verbesserung ihrer Lebensqualität wahrgenommen, doch die Tatsache, dass die unkoordinierte Produktionskette von Quinoa, in welcher weder Preise noch Produktionsmethoden reguliert werden, ins Rampenlicht gerät, hat negative wirtschaftliche, soziale und ökologische Folgen.

2. Ein Fairtrade-zertifizierter Sektor: Sicherheitsnetz und nachhaltige Kultur

Die Fairtrade-zertifizierte Quinoa-Kette wurde im Juni 2004 in Bolivien gegründet. Im Jahr 2012 wurde sie in Ecuador und Peru ausgebreitet.

Das Fairtrade-System beruht auf wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Standards, die eingehalten werden müssen. Es stellt einen Rahmen für eine nachhaltige Produktion dar. Die Produzenten werden auch dann einen garantierten Mindestpreis ausgezahlt bekommen, wenn der Handelspreis sinkt. Er ist höher als der von den lokalen Zwischenhändlern gezahlte Betrag und ermöglicht den Produzenten ihre Produktions- und Verarbeitungskosten zu decken. Die Produzenten nutzen diese stabile Finanzlage. Der garantierte Mindestpreis, der für alle Produzenten gleich ist, beträgt derzeit 2250$/t FOB für konventionelles Quinoa und 2600$/t FOB für ökologisches Quinoa.

Die Käufer zahlen den Genossenschaften zusätzlich zum Einkaufspreis der Rohstoffe eine Fairtrade-Prämie. Für Quinoa sind das 260$ pro Tonne. Dies ermöglicht die Finanzierung kollektiver, wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Vorhaben: Infrastrukturbau, Produktionsverbesserung, Zugang zu Wasser, medizinische Versorgung und Bildung. Insbesondere bei den Fairtrade-Standards für Quinoa müssen mindestens 30% der Entwicklungsprämie in den Umweltschutz investiert werden. Maßnahmen zur Förderung der ökologischen Nachhaltigkeit können Tätigkeiten im Zusammenhang mit Bodenerosion, Düngung, Schädlingsbewirtschaftung, Erhaltung bzw. Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und Wasseraufbereitung beim Waschen von Samen umfassen.

Nach einem leichten Preisanstieg Ende 2018 ist der Preis für Quinoa seit Beginn der Pandemie wieder wesentlich gesunken. Laut James Livingstone – Wallace, Experte der Quinoa-Branchen: "Fairer Handel und das Versprechen eines garantierten Mindestpreises geben den Produzenten Einkommenssicherheit trotz der klimatischen Probleme und der preislichen Schwankungen. Der Preisverfall des Quinoa nach der Pandemie zeigt wieder einmal wie fairer Handel als Sicherheitsnetz für die Produzenten funktioniert. Es ist wichtig, diese gerechte Grundlage und diesen Gesellschaftsvertrag zu haben und aufrecht zu erhalten, um von der Arbeit einen angemessenen Lebensunterhalt zu verdienen." »

3. Ein Superfood aus dem fairen Handel und verfügbar in Luxemburg

Ohne Gluten, reich an Proteinen und perfekt ausgewogenen Aminosäuren sind Quinoa-Samen eine ausgezeichnete Quelle für essentielle Mineralstoffe, Vitamine, Antioxidante, Fettsäuren und Phytosterine, die alle von großer Bedeutung für Ernährung und Gesundheit sind. Es gibt drei Hauptarten die hauptsächlich verwendet werden. Bolivien produziert in erster Linie das Quinoa Real (Weiß, Rot und Schwarz), welches hauptsächlich aus biologischer Produktion hergestellt wird, während Ecuador Valle- (vorwiegend Weiß) und Peru Dulce Quinoa (vorwiegend Weiß) produziert. Der Hauptunterschied zwischen den Sorten ist die Größe der Körner und der Grad der Bitterkeit.

In Luxemburg gibt es Fairtrade-Quinoa in Rohform, aber auch in Keksform oder in Schokoladentafeln. Diese Produkte sind in etwa 50 Verkaufsstellen in Luxemburg vorzufinden, aber es gibt noch großes Entwicklungspotenzial im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung und der Gastronomie!

⇒ Lesen Sie unsere Pressemappe über Quinoa mit dem Branchenexperten James Livingstone-Wallace

⇒ Entdecken Sie unseren Rezeptvorschlag für Quinoa-Salat von Chefkoch Lucio Richiardi

 

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