Die Tomate: Eine universelle Frucht mit vielfältigen Herausforderungen

Mit einer weltweiten Produktion von über 190 Millionen Tonnen im Jahr 2021 gehört die Tomate zu den am häufigsten konsumierten Früchten. Ursprünglich aus Südamerika – insbesondere Mexiko – stammend, wurde sie im 16. Jahrhundert in Europa eingeführt und wird heute auf allen Kontinenten angebaut.

Über ihre ernährungsphysiologischen Vorteile hinaus spielt die Tomate auch eine entscheidende wirtschaftliche Rolle: China, Indien, die USA, die Türkei und Italien – die Hauptanbauländer – müssen einer wachsenden weltweiten Nachfrage gerecht werden. Diese ist auf das zunehmende Bedürfnis der Verbraucher nach frischen, gesunden und vielseitig einsetzbaren Produkten zurückzuführen.

Tunesien – ein idealer Boden für den Tomatenanbau

In Tunesien wurde die Tomate im 19. Jahrhundert während der Kolonialzeit eingeführt. Heute ist sie eine tragende Säule des Obst- und Gemüsesektors des Landes – sowohl in der Produktion als auch im Export. Die Region Gabès, insbesondere El Hamma, bietet ideale klimatische Bedingungen für den Anbau von Tomaten.

Das heiße, trockene Wüstenklima reduziert die Verbreitung von Pflanzenkrankheiten und ermöglicht eine qualitativ hochwertige Produktion. Darüber hinaus verfügt die Region El Hamma/Gabès über ein besonderes Merkmal, das den Tomatenanbau begünstigt: unterirdische heiße Quellen, die eine mineralreiche Bewässerung ermöglichen und den Tomaten einen überlegenen Geschmack verleihen. Dieses geothermische Wasser wird nicht nur zur Bewässerung der Gewächshauskulturen genutzt, sondern auch zu deren Beheizung – ein umweltfreundlicher Ersatz für energieintensive Methoden.

Neben den landwirtschaftlichen Vorteilen trägt diese Praxis zur Stabilisierung ländlicher Gemeinschaften bei und hilft, deren Abwanderung zu verhindern – ein Phänomen, das das Gleichgewicht der Großstädte gefährden kann. Dank seiner Nähe zu Europa, seiner Innovationskraft und einem respektvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen positioniert sich Tunesien somit als strategischer Akteur auf dem Tomatenmarkt.


Desert Joy – Pionier des nachhaltigen und fairen Tomatenanbaus in Tunesien

Die 2012 gegründete Organisation Desert Joy hat sich als Referenz für nachhaltigen und innovativen Tomatenanbau in Tunesien etabliert. Von Anfang an setzte sich Desert Joy zum Ziel, qualitativ hochwertige Tomaten zu produzieren – unter Achtung der Umwelt und der lokalen Gemeinschaften.

Dieses faire Engagement führte 2015 zur Fairtrade-Zertifizierung. Desert Joy ermutigte Fairtrade International sogar, noch strengere Standards für abhängig Beschäftigte im Obst- und Gemüsesektor zu entwickeln – ein Zeichen für das kontinuierliche Bestreben, die Arbeitsbedingungen zu verbessern.
Najib Zarrouck, Mitbegründer von Desert Joy, erklärt:
„Seit 2012 setzen wir uns bei Desert Joy für einen nachhaltigen und geschmackvollen Tomatenanbau ein und leisten einen Beitrag zur Entwicklung der Region. Wir möchten eine Oase sein – ein Ort, an dem Menschen Freude finden und in einem fruchtbaren Arbeitsumfeld unsere Tomaten kultivieren.“


Die Fairtrade-Prämie – ein Hebel für soziale und gesundheitliche Verbesserung

Die Fairtrade-Bewegung unterstützt die Arbeiterinnen und Arbeiter von Desert Joy unter anderem durch die Fairtrade-Prämie, eine zusätzliche Summe, die für soziale und ökologische Gemeinschaftsprojekte nach ihrer Wahl eingesetzt wird.

Der sogenannte Fairtrade-Prämienausschuss trifft sich einmal im Monat, um über die Verwendung der Prämie zugunsten aller Mitarbeitenden zu entscheiden. Derzeit besteht das Komitee aus fünf gewählten Mitgliedern – drei Frauen und zwei Männern – die die Belegschaft vertreten, sowie zwei Mitgliedern des Managements. Der Verwendungsplan der Fairtrade-Prämie wird anschließend von der Generalversammlung validiert, an der alle Beschäftigten stimmberechtigt teilnehmen.

Dank der Fairtrade-Prämie konnten zahlreiche wichtige Gemeinschaftsprojekte für die Mitarbeitenden von Desert Joy realisiert werden. Im Jahr 2023 standen dafür 240.000 Euro zur Verfügung.

Eines der bedeutendsten Projekte ist die Einstellung von vier Personen für die Kindertagesstätte „Desert Joy Kids“, die Kinder aus der Gemeinschaft betreut. Derzeit profitieren 22 Kinder von dieser Infrastruktur, die Spielräume, Schlafräume und kindgerechte sanitäre Anlagen umfasst. Zusätzlich ist ein Arzt ein- bis zweimal pro Woche vor Ort, um die gesundheitliche Betreuung der Kinder sicherzustellen.


Die Fairtrade-Prämie finanziert auch Küche und Kantine von Desert Joy

Die Fairtrade-Prämie ermöglichte zudem die Finanzierung der Betriebskosten für die Küche und die Kantine von Desert Joy. Dreizehn Personen bereiten dort täglich ausgewogene Mahlzeiten für die Mitarbeitenden der Organisation zu. So haben alle Beschäftigten von Desert Joy die Möglichkeit, mittags ein gesundes Essen bestehend aus einer Vorspeise, einem Hauptgericht mit Gemüse und Fleisch sowie einem Dessert in der Betriebskantine einzunehmen.

Die Fairtrade-Prämie übernimmt dabei 5,50 Dinar der Kosten – sodass die Mitarbeitenden lediglich 0,50 Dinar pro Mahlzeit bezahlen. Diese Unterstützung ermöglicht es den Mitarbeitenden nicht nur, täglich zu einem sehr günstigen Preis gesund zu essen, sondern schafft zugleich stabile Arbeitsplätze in der Gemeinschaft.

Ein weiterer zentraler Aspekt des Fairtrade-Modells bei Desert Joy ist die Achtung der Meinungsfreiheit der Mitarbeitenden. Über Gremien wie den Arbeitnehmerausschuss und den Prämienausschuss finden regelmäßig Treffen zwischen Vertreter:innen der Belegschaft und dem Geschäftsführer statt. Diese Austausche fördern eine transparente Kommunikation, ermöglichen es, Anliegen und Vorschläge der Mitarbeitenden weiterzugeben und schaffen ein positives und partizipatives Arbeitsklima.


Soziales Engagement bei Desert Joy…

Desert Joy unterstützt benachteiligte Familien durch stabile Arbeitsplätze und eine Versicherung. Die Organisation beschäftigt derzeit 600 Mitarbeitende, davon 80 % Frauen, und alle sind fest angestellt. Die Organisation verpflichtet sich, Löhne oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns in Tunesien zu zahlen. Die Löhne werden per Banküberweisung ausgezahlt – mit einer detaillierten Gehaltsabrechnung zur Sicherstellung von Transparenz.

In Zusammenarbeit mit der Post von Tunesien hilft die Organisation den Mitarbeitenden bei der Eröffnung von Bankkonten und stellt ihnen Bankkarten zur Verfügung, um Bargeld abzuheben. Bei Desert Joy beteiligt sich eine gewählte Mitarbeitervertretung an den Verhandlungen mit der Geschäftsführung im Rahmen eines Tarifvertrags, der für die Agrar- und Lebensmittelbranche gilt.

Die Organisation unterstützt zudem die Mitgliedschaft der Mitarbeitenden in der Tunesischen Gewerkschaft UGTT(Union Générale Tunisienne du Travail) und setzt sich aktiv für Gesundheits- und Arbeitssicherheit ein – durch strenge Richtlinien sowie medizinische und psychologische Betreuung.

Beim Mutterschaftsurlaub übernimmt Desert Joy ein Drittel des Gehalts für die gesamte Dauer von 12 Wochen und ergänzt damit die Leistungen der Sozialversicherung. Zusätzlich wurde ein kostenloser Transportdienst für die Mitarbeitenden eingerichtet. Die Organisation fördert auch die Weiterbildung der Beschäftigten zur beruflichen Entwicklung und baut langfristige Beziehungen zu ihnen auf.

Die große Mehrheit der befragten Mitarbeitenden arbeitet seit mehr als 10 Jahren bei Desert Joy und hat im Laufe der Zeit Verantwortung übernommen und Karriere gemacht.


…und das ökologische Engagement der Organisation

In Bezug auf den Umweltschutz setzt Desert Joy auf einen nachhaltigen Umgang mit Wasser und Energie. Es wird ausschließlich salzhaltiges Wasser verwendet, das zuvor entsalzt wurde, um die lokalen Süßwasserreserven zu schonen. Durch Tröpfchenbewässerung und hydroponischen Anbau wird der Wasserverbrauch optimiert – 30 bis 50 % des Wassers werden im Kreislauf wiederverwendet.

Neben der Nutzung erneuerbarer Energien werden Olivenbäume gepflanzt, um CO₂-Emissionen zu kompensieren. Die Tomaten wachsen in Kokosfasersubstrat, mit einem begrenzten Einsatz von Pestiziden, bei einer kontrollierten Temperatur von 16°C bis 25°C, die optimale Wachstumsbedingungen schafft.

Spezielle „Bienenkästen“ verbessern die natürliche Bestäubung und steigern die Fruchtqualität. Zur Bekämpfung des Schädlings Tuta Absoluta setzt Desert Joy auf Magnetfelder – eine innovative, umweltschonende biologische Methode, die weniger invasiv ist.

Darüber hinaus wird ein strenges Abfallrecycling betrieben, um die Umweltauswirkungen auf ein Minimum zu reduzieren.


Der Weg der Fairtrade-Tomate – von der Saat bis auf den Teller

Die sorgfältig ausgewählten Samen stammen aus den Niederlanden und werden zunächst von einem tunesischen Spezialbetrieb für Tomatenaufzucht in Setzlinge verwandelt, um eine hohe Pflanzenqualität zu gewährleisten. Nach sieben Wochen werden die Jungpflanzen an Desert Joy übergeben, wo sie in Kokossubstrat im Hydrokultursystemeingepflanzt werden.

Der Wachstumszyklus der Tomate – von der Blüte bis zur Ernte – dauert etwa acht Wochen. Während dieser Zeit kümmern sich die Mitarbeitenden von Desert Joy sorgfältig um die Pflanzen, indem sie z. B. unerwünschte Nebentriebe entfernen. Die Tomaten werden täglich per Hand geerntet und in große Kisten gelegt.

Nach der Ernte und der Qualitätskontrolle werden die Tomaten in Kühlräumen gelagert, um ihre Frische zu bewahren, bevor sie versandt werden. Der Transport erfolgt in Kühl-LKWs von El Hamma zum Hafen von Radès im Süden von Tunis. Von dort werden die Tomaten über das Mittelmeer nach Marseille verschifft und anschließend mit dem LKW weiter nach Maasdiijk (Niederlande) gebracht, wo eine abschließende Qualitätskontrolle erfolgt.

Erst danach werden sie verpackt und für den Verkauf vorbereitet.

Zwischen dem Zeitpunkt, an dem die Tomaten Desert Joy verlassen, und ihrer Ankunft in den Cactus-Supermärkten in Luxemburg, die die Fairtrade-Tomaten exklusiv im Großherzogtum anbieten, vergehen nur zwei bis drei Tage – was den Verbraucher:innen garantiert frische Produkte sichert.