Partnerschaft SNJ

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Partnerschaft mit dem SNJ

Fairtrade Lëtzebuerg empfängt jedes Jahr mehrere Freiwillige, welche die Arbeit der Entwicklungs-NGO unterstützen und mit neuen Ideen bereichern. Dies ermöglicht einen interessanten Austausch, neue Begegnungen und eine erfahrungsreiche Zeit zusammen.

Dank des Service National de la Jeunesse (SNJ) kann Fairtrade Lëtzebuerg 3 verschiedene Arten von Freiwilligen aufnehmen:

  • Die europäischen Freiwilligen kommen für ein Jahr aus dem Ausland nach Luxemburg um neue Horizonte zu entdecken, eine erste Arbeitserfahrung zu wagen und die Arbeit in einer NGO kennen zu lernen.
  • Die „Volontaires civiques“, junge Leute die in Luxemburg wohnhaft sind, setzen sich für einen bestimmten Zeitraum für ein gemeinnütziges Projekt in Luxemburg ein.
  • Die Freiwilligen in der Entwicklungszusammenarbeit, junge Leute die in Luxemburg wohnhaft sind, unterstützen ein Entwicklungsprojekt einer luxemburgischen NGO und verbringen eine Zeit ihres Freiwilligendienstes im Ausland vor Ort.

Weitere Informationen zu den verschiedenen Freiwilligendiensten und die Möglichkeiten, sich zu engagieren, finden sie auf der Webseite des SNJ oder unter volontaires.lu.

Erfahrungsbericht von Anne Herrmann, europäische Freiwillige (2012-2013)

Anne Herrmann, europäische Freiwillige

Ein Jahr als Freiwillige

Ein Bericht der 20-jährigen Dresdnerin Anne Herrmann, die mit sechs anderen europäischen Freiwilligen in einer Wohngemeinschaft in Beggen lebte und bei Fairtrade Lëtzebuerg ihr freiwilliges europäisches Jahr absolvierte, welches im Rahmen des Programms „Youth In Action“ vom Service National de la Jeunesse (SNJ) betreut wird.

„Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man bekommt.“

Sieht man einmal davon ab, dass ich in meinem ganzen Leben noch nie so viel Schokolade in einem halben Jahr gegessen habe wie bei Fairtrade Lëtzebuerg, passen diese Worte aus dem Munde von Forrest Gump sehr gut als Metapher für meinen europäischen Freiwilligendienst (EVS). Mit so wenig Erwartung wie möglich bin ich in dieses neue Leben und die Arbeit fern der Heimat gestartet und habe die nächste Praline aus der Schachtel probiert - und ich wurde absolut positiv überrascht!

Zusammen mit Melanie und Magdalena, den beiden anderen Freiwilligen, wurde ich sehr herzlich von unseren neuen Kolleginnen aufgenommen.

Wir bekommen anspruchsvolle Aufgaben zugeteilt, an denen wir wachsen können. Auch bei meiner Hauptaufgabe, den Sensibilisierungsworkshops in den Grundschulen Luxemburgs, wird mir sehr viel Vertrauen entgegengebracht. Auf interaktive und spielerischer Art und Weise versuche ich den Kindern zu vermitteln, dass die Kinder im Süden einen ganz anderen Alltag als sie in Luxemburg leben. Viele Kinder in Afrika beispielsweise können nicht zur Schule gehen oder mit ihren Freunden spielen, weil sie wie Erwachsene arbeiten müssen. Über diese Thematik sollen sich die Schüler als Erstes bewusst werden und im nächsten Schritt gemeinsam überlegen, was man gegen diese Ungerechtigkeit machen könnte, wobei gleichzeitig auch der faire Handel erläutert wird.

Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob die Kinder alles verstehen, trotzdem hoffe ich, dass jeder aus dem Workshop etwas mitnehmen kann. Aber ich werde auch immer wieder von manchen Klassen überrascht, wenn sie schon einige Sachen über den fairen Handel wissen oder gut überlegte Fragen zur Thematik stellen. Jeder Workshop ist anders, immer wieder muss ich mich auf die neue Klasse einstellen und dabei lautet mein Motto: Improvisation ist alles! Ich bin nicht nur spontaner geworden, sondern nach dem Jahr in Luxemburg auch viel selbstständiger.

Es ist für mich ein neues Gefühl von Freiheit in einer multikulturellen Wohngemeinschaft zu leben und seinen Alltag gemeinsam zu gestalten. Wir sind in den letzten Monaten zu einer richtigen Familie zusammen gewachsen, in der gemeinsam gekocht, Tee getrunken und vor allem gelacht wird. Kleine Alltagsprobleme, die nun einmal entstehen wenn man zu siebt in einem Haus lebt, nehmen wir mit Humor! Da es ein sehr gutes Netzwerk unter den europäischen Freiwilligen gibt und wir somit von Anfang sehr schnell Anschluss in Luxemburg gefunden haben, ist Luxemburg für mich zu einem zweiten zu Hause geworden.

Ich bin sehr froh, dass ich mich für die Schokopraline mit einer Portion Fairtrade und Luxemburg entschieden habe und kann es gar nicht abwarten, herauszufinden welche spannenden (Geschmacks)Erlebnisse noch in der Schachtel auf mich warten...

Erfahrungsbericht von Thomas Fleischmann, europäischer Freiwilliger (2015-2016)

Mein europäischer Freiwilligendienst bei Fairtrade Lëtzebuerg

Mein europäischer Freiwilligendienst bei Fairtrade Lëtzebuerg

Vor elf Monaten ging es für mich auf nach Luxemburg. Eine Entscheidung, die nicht nur meine Mutter verunsicherte: „Ist es daheim so schlimm, dass du wegwillst?“. Auch meine Freunde fragten mich: „Was willst’n da?“. Mich euphorisierte der nahende Abschied: Ich habe mich darauf gefreut, eine neue Sprache zu lernen, in das Arbeitsleben einzutauchen, selbstständiger zu werden und einfach eine gute Zeit zu haben.

Waren die Skepsis meiner Mutter und meiner Freunde nun gerechtfertigt oder wurden meine Erwartungen doch erfüllt?

Meine Aufgaben bei Fairtrade:

Meine Hauptaufgabe war das Abhalten von Workshops an Grundschulen in ganz Luxemburg. Ich war mit zwei verschiedenen Workshops auf Tour durch das Land: Einen zum Thema Schokolade für den Cycle zwei und einen über Textilien für die Kinder der Cycles drei und vier. Schon die Planung der Workshops hat sehr viel Spaß gemacht, man konnte richtig kreativ werden und ihn an die eigene Persönlichkeit anpassen. Als dann die ersten Termine feststanden, wurde ich schon etwas nervös. Bis auf ein paar Referate hatte ich vor meinem Freiwilligendienst noch keine Erfahrung im Umgang mit einer Klasse gesammelt, und jetzt sollte ich bis zu zwanzig Kinder in Schach halten und auf spannende Art und Weise über den Fairen Handel informieren? Nachdem ich aber von meinen verantwortlichen Kollegen im Büro gut vorbereitet worden war und dann die ersten Termine absolviert hatte, habe ich gemerkt, wie gut die Workshops ankommen, dass die Lehrer einen auch mal unterstützen und wie viel Spaß es machen kann, wenn die Kinder mitziehen. Im Laufe des Jahres kam natürlich auch in die Workshops eine gewisse Routine, sie waren aber eine willkommene Abwechslung zur Arbeit im Büro.

Neben den Workshops kamen im Laufe des Jahres viele andere Aufgaben auf mich zu, vor allem im Rahmen der Kampagnen und bei der Entwicklung von neuem pädagogischen Material. Zusammen mit zwei anderen Freiwilligen habe ich aber auch mein eigenes Projekt umgesetzt: Fairbert. Das ist ein riesiges „Schokoei“ mit Fenstern, in denen man eine Ausstellung installieren konnte. Das Ei hatte Fairtrade vor einem Jahr „adoptiert“, es sah aber etwas mitgenommen aus und niemand hatte sich richtig darum gekümmert. So machten wir uns daran, Fairbert wieder herauszuputzen, und uns ein pädagogisches Konzept für eine Ausstellung zum Thema Kakao zu überlegen, das wir dann schließlich praktisch umsetzten. Sich auch mal handwerklich zu betätigen war ein super Ausgleich zum Schreibtisch.

Fazit

Das Jahr war auf jeden Fall eine Bereicherung für mich. Es haben sich aber nicht alle meine Erwartungen erfüllt. So fiel der Sprachkurs leider aufgrund organisatorischer Probleme ins Wasser und die Luxemburger erschienen mir gerade bei spontanen Begegnungen häufig eher verschlossen. Deshalb hatten ich und meine Mitbewohner relativ wenig Kontakt zu den Einheimischen, was in Luxemburg nicht weiter schlimm ist, da es viele Freiwillige auf einem kleinen Raum gibt und wir immer viel in der Freiwilligengemeinschaft unternommen haben. Auch sonst hat sich das Jahr auf jeden Fall gelohnt! Da die Arbeit so vielseitig war, habe ich extrem viel gelernt, einerseits Dinge wie einen guten Umgang mit Kindern, aber beispielsweise auch neue handwerkliche Fähigkeiten, z.B. wie man Plexiglas richtig zuschneidet. Außerdem bin ich viel verreist und insgesamt haben wir so einige super Erfahrungen gemacht.